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Sonntag, 28. Juli 2013

Leseprobe: "Ich bin kein Sexist, aber..."


Ich hatte die große Ehre, zusammen mit Yasmina Banaszczuk, Nicole von Horst und Mithu Sanyal ein Buch über Sexismus im Allgemeinen und natürlich im Speziellen über den #Aufschrei zu schreiben. Das Ergebnis ist "Ich bin kein Sexist, aber... Sexismus erlebt, erklärt und wie wir ihn beenden", erschienen im Orlanda Verlag. Beziehen könnt ihr unser Buch über den Verlag, via Amazon oder in gut sortierten Buchhandlungen. EDIT: Ab August soll es das Buch auch als ebook geben.
 
Nachdem Mina schon am Freitag eine Leseprobe aus ihrem Text zur Verfügung stellte, könnt ihr im Folgenden die ersten Absätze aus meinem Kapitel "Reaktionären Reaktionen – der Versuch, gegen Sexismus zu argumentieren" lesen.
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Irgendeine Nacht im Januar, drei Uhr morgens - ich sitze im Schlafanzug vor dem Notebook und weine. Vor wenigen Stunden hat Nicole von Horst ihre ersten Erlebnisse mit Sexismus und sexueller Belästigung getwittert. Ich fühlte mich an eigene Geschichten erinnert und mich ihr deshalb verbunden – ich twitterte also auch meine Erfahrungen. Daraufhin entstand ein Dialog mit Anne Wizorek, die den Hashtag #aufschrei vorschlug, und damit brach die Lawine los. Die nächsten Tage sind irgendwie "Geschichte" geworden.
Betrachten wir #aufschrei mit dem Abstand von drei Monaten: Die Aktion hat vielen eine Stimme gegeben, die bisher stumm waren, aber leider auch Betroffene retraumatisiert. Diejenigen, die jahrelang geschwiegen haben und nicht laut aussprechen konnten, dass ihnen ein Unrecht geschehen ist, bekamen nun die Möglichkeit dazu. Es wurden Erlebnisse mit zudringlichen Familienmitgliedern oder Partner_innen, Sexismus in Schulen, in der Werbung, Vergewaltigungen geschildert. Das Internet half ein bisschen, die Scham zu nehmen – brachte aber natürlich keine Anonymität. Aus dem Grund trafen die oft reaktionären Reaktionen der Kritiker_innen viele von uns mitten ins Herz.
Dadurch, dass nicht nur ein oder zwei Menschen von ihren Erlebnissen mit Sexismus berichteten, rückten die Opfer in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit - oder hätten dorthin rücken können, wäre an vielen Stellen nicht versucht worden, ihnen diese Aufmerksamkeit zu nehmen. Meine persönlich erste Reaktion auf all die Geschichten, die trotz (oder wegen) der twittereigenen Beschränkung auf 140 Zeichen eine unglaubliche Kraft hatten, war irgendwas zwischen Empörung, Wut und Verbundenheitsgefühl. Meine Tränen waren Zeichen von Traurigkeit und Überforderung. Bestärkt wurden diese Gefühle von den Tweets, die versuchten, #aufschrei ins Lächerliche, ins Banale zu ziehen. Aussagen von Menschen, die teilweise dagegen argumentierten und teilweise einfach nur bösartig und hasserfüllt waren.
In diesem Beitrag möchte ich mich mit den Reaktionen beschäftigen, denn bei Betrachtung der Vorwürfe gegen #aufschrei und #Tugendfuror lassen sich gewisse Muster erkennen.
Macht ist eine ganz wichtige Komponente beim Thema Sexismus. Wenn eine Person einer anderen vorwirft, etwas falsch gemacht zu haben, ist eine der typischen Reaktionen, den Vorwurf von sich zu weisen. Öffentlich gesagt zu bekommen, einen Fehler gemacht zu haben, bedeutet für viele Gesichtsverlust – damit einher geht dann die Angst, die gesellschaftliche Stellung und damit verbundene Macht zu verlieren.
Viele Männer reagierten sehr empathisch auf die verschiedenen Geschichten. Vielen war anscheinend nicht bewusst, wie das alltägliche Leben zahlreicher Frauen aussieht. Einige Männer bekamen den Eindruck, sich in einer ganz anderen Lebenswelt zu bewegen. Ich habe sehr viele Statements von Männern gelesen, die angeregt wurden, ihr eigenes Verhalten zu überdenken und dies auch taten. Sie merkten, dass das, was sie für sich immer als okay definiert oder sich einfach herausgenommen hatten, nicht immer als korrekt empfunden wurde. Hier hat die Debatte wirklich etwas bewegen können.
Leider gab es da aber auch die Gegenseite, und die fühlte sich von den Tweets auf den Schlips getreten. Diesen Leuten fiel es schwer, Empathie mit den Opfern zu empfinden, und sie gingen zum Angriff über. Anders lässt sich nicht erklären, dass der Hashtag ganz schnell Menschen anzog, die den Twitternden Vorwürfe machten oder sich beschwerten, weil sie sich angesprochen fühlten. Für sie war nur die eigene Person wichtig, die da eventuell angegriffen werden könnte, was auf keinen Fall gerechtfertigt wäre. Bei einigen entstand auch das Gefühl der Ausgrenzung, weil sie nicht auf der Seite der Opfer standen und ausnahmsweise mal nicht diskursbestimmend waren.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Grenzgängerin

Irgendwann im Sommer/Herbst 2011 wurden die Piraten für mich interessant. Unangenehme Fragen stellen und den Finger in die Wunde legen, dabei rotzfrech und auch optisch nicht immer Mainstream. Was in der Presse oft lächerlich dargestellt wurde, löste einen bei mir typischen Reflex aus: So wie auf den Piraten herumgehackt wurde, musste ich mir die mal näher anschauen. Vielleicht schreibe ich irgendwann mal eine Liebeserklärung an die Piratenpartei. Was mich insgesamt von der Partei überzeugte, soll aber heute nicht Thema sein.
Trotz Übereinstimmung bei vielen Themen, gab es einen Punkt, der mich störte und den ich auch heute immer wieder höre: "Piraten? Das sind doch die mit dem Frauenproblem!"
Ich, die ich mich seit Jahren als Feministin bezeichne, kann doch keine Partei gut finden, die von sich sagt, postgender zu sein. 
Im März 2012 wurde der Landtag hier in NRW aufgelöst. Plötzlich standen für Mai Neuwahlen an und ich musste mich damit auseinandersetzen, was ich denn wählen will. Und ich sage es hier ganz ehrlich: Wirklich final entschieden habe ich mich am Tag der Wahl - für die Piraten. Und ich habe die Partei dann nicht nur gewählt, ich bin sechs Wochen später eingetreten.

Seit diesem Tag habe ich das Gefühl, ich muss mich auf zwei Seiten, die mir sehr wichtig sind, rechtfertigen. Ich bin Feministin und ich bin Piratin. Beides bin ich mit viel Leidenschaft und beides ist sehr sehr anstrengend. Gender ist mein Lieblingsthema und deswegen ist das auch in der Partei meine Nische. Ich kenne sehr viele Leute, die genauso denken wie ich. Das Wolke 7-Gefühl wird dann jäh gestört, sobald ich mich aus meiner Filterbubble herausbewege. Die Piraten sind da nur Spiegel der Gesellschaft - Feminist_innen kennen wohl genau, was ich da beschreibe.
Ich fühle mich manchmal wie eine Grenzgängerin - stets bemüht, auf beiden Seiten zu vermitteln und mich und meine Ansichten verständlich zu machen. An manchen Tagen will ich das alles einfach nur hinwerfen. Dann wird mir das zuviel und ich habe das Gefühl, dem nervlich und emotional nicht standhalten zu können. Ewig gleiche Diskussionen mit Menschen, die ich für ansonsten schlau und spannend finde. Aber wir versammeln so unheimlich kluge Köpfe in der Partei. Ich bin in sehr empowernden Gendernetzwerken aktiv, entwickle meine eigenen Ansichten weiter und merke, dass ich manchmal vorher skeptische Leute zum Nachdenken anregen kann.
Feministin sein ist nicht als der widerstandsloseste Lebensweg der Welt bekannt - Mitglied der Piratenpartei zu sein ebensowenig. Ich bin aber froh sagen zu können, dass ich beides die meiste Zeit gerne bin.


Für piratenkritische Feminist_innen und feminismuskritische Pirat_innen:
* Die Piraten sind nicht postgender. Das steht nirgendwo, das wurde niemals beschlossen. Vielmehr wurde mittlerweile das Gegenteil abgestimmt: "Der Begriff 'postgender' entstammt weder einem der Programme noch einer internenen Debatte der Piratenpartei, außerdem ist er schwammig und mehrdeutig, es fehlt eine klare Definition. Vielmehr beruht die Zuschreibung dieses Adjektivs auf einem Bericht der taz. Jens Seipenbusch, dem das Zitat "Wir sind postgender." in den Mund gelegt wurde, konnte die taz dazu bewegen, es als Zitat aus dem Artikel zu entfernen, trotzdem blieben die Autoren bei der Zuschreibung. Zu diesem Zeitpunkt hatte es jedoch bereits als angebliche Selbstbeschreibung der Piratenpartei breiten Eingang in die mediale Berichterstattung gefunden." Quelle
* Ich habe mir erklären lassen, aus Sicht vieler Pirat_innen sieht Feminismus aus wie Lobbyismus für ein Geschlecht und würde deshalb diesen unrefelktierten Beißreflex auslösen.
Heutzutage ist bei Feminismus meistens die Rede von Postfeminismus und dekonstruktivistischem Feminismus. Die Binarität der Geschlechter wird generell in Frage gestellt, somit setzen diese Feminist_innen sich in der Regel für die Gleichstellung aller Geschlechter ein. Hinzu kommt der Einsatz gegen weitere, oft verschränkte Diskriminierungsformen (Klasse, Hautfarbe usw.). 
* Wir setzen uns als Piratenpartei für Menschenrechte ein. Frauenrechte sind ein Teil der Menschenrechte. Dass für das Einräumen von Menschenrechten ein paar Leute ein paar Privilegien ablegen müssen, sollte okay sein und verlangen wir als Partei ja auch an anderen Stellen des Lebens.
* Warum es Feminismus heißt, hat @acid23 bereits erklärt.
* Die Partei hat ein sehr fortschrittliches Geschlechter- und Familienprogramm. Würde es das nicht geben, wäre ich niemals beigetreten.
*  Man darf sich in der Piratenpartei Piratin nennen - das wollen nur viele Pirat_innen nicht glauben ;-) In der Satzung steht: "Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet." Da steht aber nicht, dass die Mitglieder der Partei sich nicht nennen dürften, wie sie möchten - das würde irgendwie auch so allem widersprechen, was wir uns auf die Fahne geschrieben haben. Dass da steht, generisches Maskulinum wäre geschlechtsneutral, darüber müssen wir nochmal diskutieren, dem stimme ich absolut nicht zu.
* Es gibt innerhalb der Piratenpartei diverse Netzwerke, die sich mit Genderpolitik beschäftigen - der "feministische Untergrund" (harhar!) ist also aktiv.

Unwissenheit und daraus resultierende Vorurteile gibt es auf beiden Seiten und beide Seiten würden davon profitieren, sich nicht auf Medienberichte und Populärwissenschaften zu verlassen.
Denkt selbst und habt keine Angst voreinander.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Offener Brief an den stellvertretenden Bürgermeister von Düren, Rainer Guthausen

Ich habe vor einigen Tagen über eine Veranstaltung zum Gewaltschutzgesetz geschrieben, die ich besucht habe. Dort hielt auch der stellvertretender Bürgermeister ein Grußwort, auf das ich nun per offenem Brief reagiert habe - meine Email an ihn erscheint also gleichzeitig auch hier.

EDIT: Es gab übrigens zwei Antwortmails, ich darf sie aber ausdrücklich nicht veröffentlichen.


Sehr geehrter Herr Guthausen,

Ich war letzte Woche auf der Informationsveranstaltung zu 10 Jahren Gewaltschutzgesetz im Bürgerbüro. Sie trugen dort gleich zu Anfang ein Grußwort vor, welches ich zum Anlass nehme, Ihnen diese Mail zu schicken und sie gleichzeitig auf meinem Blog zu veröffentlichen.

Sie erfuhren nach eigenen Worten erst mittags, dass Sie das Grußwort halten sollten - eigentlich war Bürgermeister Paul Larue eingeladen. Leider merkte man deutlich, dass Sie sich schlecht vorbereitet hatten und es am nötigem Feingefühl für das Thema mangeln ließen. Das mag eine Begründung sein, aber keine Entschuldigung.

Thema der Veranstaltung war das Gewaltschutzgesetz, dass es seit 10 Jahren ermöglicht, misshandelte Personen besser zu schützen. Da geht es konkret um Fälle von Gewalt, Vergewaltigung und auch Mord.
Sie starteten gleich damit, dass Sie bei diesem Thema nicht mit einem solchen "Ansturm" gerechnet hätten. Wie Sie zu dieser Annahme kamen, sagten Sie nicht. Ich kann nur vermuten, dass Sie die Veranstaltung als nicht besonders wichtig einstuften. Die auf Ihren folgenden Vorträge sollten deutlich gemacht haben, wie wichtig das Gewaltschutzgesetz ist und welch Kraftakt es war, dieses durchzusetzen.
Schon dieser Eingangssatz wirkte auf mich als Zuhörerin irritierend.

Sie sagten, Sie sehen das Gesetz "nahe bei den Menschenrechten" und relativierten dadurch seine Wichtigkeit. Zum Glück sagte Frau Kleene es in ihrer Rede später viel deutlicher: Schutz vor häuslicher Gewalt IST ein Menschenrecht.
Zudem deuteten Sie an, dass Männer ja von Natur aus gewalttätiger seien als Mädchen. Diese Aussage ist in so vielen Punkten falsch und furchtbar. Sie verharmlosten das Thema häusliche Gewalt, indem Sie den männlichen Tätern Rückendeckung durch die angeblich von Natur aus gegebene größere Aggression verschafften. Die These von den natürlichen Geschlechtsunterschieden ist viel zitiert, wird aber dadurch nicht richtiger und ist in diesem Zusammenhang mehr als unangebracht.
Dann dieses Gegensatzpaar Männer - Mädchen. Entweder stellt man Kinder oder Erwachsene gegenüber, aber man stellt kein so von Machtgefälle strotzendes Beispiel in den Mittelpunkt. Wir sprechen hier von Gewalt zwischen gleichberechtigten Partner_innen! Hauptarbeitsfeld der anwesenden Expertinnen ist es, geschlagene und verprügelte Frauen vor Ihren Partnern zu schützen. Es handelt sich hierbei nicht um kleine Mädchen, sondern um erwachsene Frauen.

Sie lobten das Gewaltschutzgesetz auch, weil der 10-tägige Verweis aus der Wohnung - den die Polizei gegen Täter_innen aussprechen darf - evtl. dafür sorgen würde, dass die "Familie länger bestehen bleibt". Sie stellen hier in den Mittelpunkt, dass es wichtig wäre, dass die Familie sich wieder zusammenrauft, nachdem Partner_innen bedroht, geschlagen und sexuell missbraucht wurden. Es geht darum, die Opfer und ggf. ihre Kinder vor weiterem Täter_innenzugriff zu schützen. Familien, die sich "wieder zusammenraufen", geraten oft in die nächste Gewaltspirale - Trennung kann in diesem Fall Schutz bedeuten. Hier klingt es für mich als Zuhörerin so, als wäre es für Sie persönlich wichtiger, nach außen hin intakte Familien zu haben als Paare, die getrennt leben, aber dafür keine Gefahr mehr füreinander sind. Ich wiederhole mich: Das Gewaltschutzgesetz soll Opfer schützen und nicht Familien kitten.
Die Krönung war für mich, als Sie sagten, dass der Täter "sich gehen gelassen hat". Nochmal: Wir sprechen von Prügeln, Vergewaltigungen, Mord und Zwangsheirat - das hat nichts mit Ausrutschern zu tun und ist ganz klar das Vokabular, mit dem Täter_innen entschuldigt und relativiert werden sollen.

Meiner Meinung nach zeigt Ihre Rede auf, warum wir das Gewaltschutzgesetz so dringend brauchen (und warum es das erst seit 10 Jahren gibt). Es gibt immer noch Leute, die häusliche Gewalt nicht als ernstzunehmendes Problem erkennen und herunterspielen bzw. nicht klar Stellung beziehen. Das erschreckt mich.
Ihre Rede hat mich persönlich sehr irritiert und verletzt. Ich setze nicht voraus, dass Sie Experte auf diesem Gebiet sind, aber ich setze voraus, dass Sie in Ihrer Position etwas mehr Feingefühl aufweisen können. Ich wünsche mir, dass Sie es in Zukunft schaffen, sich zumindest minimal mit einer Veranstaltung auseinander zu setzen, bevor Sie auf dieser sprechen. Gerade bei einem solchen Thema muss Ihnen bewusst sein, dass im Publikum Menschen sitzen, die sich verletzt fühlen könnten.

Mit freundlichen Grüßen.

Dienstag, 20. November 2012

10 Jahre Gewaltschutzgesetz

Ich war heute auf einer Informationsveranstaltung in meiner Heimatstadt. Thema der Veranstaltung war das 10jährige Jubiläum des Gewaltschutzgesetzes. Nach dem Grußwort des stellvertretenden Bürgermeisters (zu dem ich irgendwo nochmal gesondert was sagen will, weil es so grausig war) gab es einen Vortrag von Luzia Kleene und eine Expertinnenrund mit drei engagierten Frauen aus dem Kreis.

Luzia Kleene ist Juristin und Sozialpädagogin aus Düsseldorf und seit 25 Jahren in der Anti-Gewalt-Arbeit tätig. Sie berichtete vom Werdegang des Gewaltschutzgesetzes.
Das Gewaltschutzgesetz wurde 2002 einstimmig im Bundestag beschlossen - wann hat man das schon mal. Dem gingen viel Vorarbeit und Modellprojekte voraus. Heute gilt das Gewaltschutzgesetz in allen deutschsprachigen Ländern Europas.
Das Gewaltmonopol des Staates hört heute nicht mehr an der Haustüre auf und häusliche Gewalt wird nicht mehr abfällig als "Familienstreitigkeit" bezeichnet. Durch das Gewaltschutzgesetz steht der Schutz des Opfers im Mittelpunkt und es ist klar: Wer schlägt, der geht.

Immer noch wollen viele Opfer keine Anzeige erstatten - manchmal, weil Kinder im Haushalt leben oder die Opfer sich noch nicht klar sind, ob sie sich von Täter_innen trennen wollen. Immer noch liegt die Beweislast beim Opfer und da es meistens keine Zeug_innen für die Gewalt gibt, schrecken viele vor einer Anzeige zurück. Des Weiteren steht das Umgangsrecht des Elternteils über dem Gewaltschutzgesetz. Opfer, die mit dem gewalttätigen Partner Kinder haben, müssen also in vielen Fällen noch Kontakt mit dem Täter halten und sind so oft großer Gefahr ausgesetzt.
Bei Zuwiderhandlung gegen den von der Polizei ausgesprochenen Wohnungsverweis, droht den Täter_innen meistens keine Ordnungshaft und das geringe Ordnungsgeld hat kaum abschreckende Wirkung. Viele Verfahren werden immer noch eingestellt, was wiederum viele vor einer Anzeige zurückschrecken lässt - ein Kreislauf.
Frau Kleene sagte aber auch: "Vor 15 Jahren hätte ich einer Frau nicht guten Gewissens raten können, 110 zu wählen. Die Polizei konnte wenig tun, sondern brachte den Täter durch ihr Auftreten oft noch in Rage." Heute ist das glücklicherweise anders. Schulungen und landesweite Richtlinien tragen Früchte. Die Zahl der Anzeigen ist in NRW von 2002 bis 2011 von 14.300 auf ca. 25.000 gestiegen, die Polizei hat mehr Handlungsspielraum und kann sich besser um die Opfer kümmern.
Bekämpfung von häuslicher Gewalt ist heute ins Zentrum gesellschaftlicher Aufklärung gerückt und nicht mehr nur Thema der Frauenbewegung, wie noch in den 70er Jahren.
Durch das Gewaltschutzgesetz wurde viel erreicht - doch es ist auch noch viel zu tun, denn häusliche Gewalt ist immer noch die häufigste Gewaltform gegen Frauen.

Im Anschluss gab es eine Expertinnenrunde mit Sonja Walt und Maria Brenner, die beide in Frauenberatungsstellen des Kreises arbeiten, und der Polizeibeamtin Marion Laßka.
Frau Laßka ging noch einmal darauf ein, dass häusliche Gewalt vor dem Gewaltschutzgesetz als Familienstreitigkeit behandelt wurde und Frauen sich meistens um private Flucht-/Ausweichmöglichkeiten kümmern mussten. Heute hat die Polizei eben die Möglichkeit, Täter_innen für 10 Tage aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen. Zudem werden beide Parteien getrennt befragt. Die Polizei gibt - mit Einverständnis der Frau - die Grunddaten an eine Frauenberatungsstelle weiter und das Jugendamt kümmert sich um die im Haushalt lebenden Kinder.
Die Beratungsstellen melden sich innerhalb kürzester Zeit bei den Frauen, beraten telefonisch und persönlich. Hier ist es wichtig, dass schnell beraten wird, denn wenn es erstmal zu einer Versöhnung kam, sind die Opfer für Hilfe nicht mehr zugänglich und geraten evtl. in den nächsten Gewaltkreislauf.
Gängig ist, dass die Beratungsstellen mit den Opfern einen Fluchtplan erstellen, einen Ort für eine Art Notfallkoffer finden und dazu raten, mit einer vertrauten Person ein Codewort auszumachen, um in der nächsten Gewaltsituation unauffällig einen telefonischen Notruf absetzen zu können. Zudem wird die Gefährlichkeit der Situation eingestuft und über das Frauenhaus informiert.

Bei dem, was sich in Zukunft noch verändern muss, sind die Expertinnen sich einig: Es braucht bessere Finanzierung und mehr Personal in den Beratungsstellen. Zudem sollte die Frauenhausfinazierung bundesweit vereinheitlicht werden. Die Täterarbeit muss ausgeweitet werden und auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt muss sich verbessern.

Sonntag, 18. November 2012

Zur Woche des generischen Femininums


Woche des generischen Femininums: 19. bis 25. November 2012
Um das nochmal zu betonen: Ist keine Piratinnen-Aktion, sondern für alle! Wir werden eine Woche lang im generischen Femininum formulieren - sowohl in Texten als auch mündlich.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird meistens die männliche Form verwendet, um gemischtgeschlechtliche Gruppen zu bezeichnen. Frauen seien hier mitgemeint, heißt es immer. Kritik an dieses Praxis gibt es seit vielen Jahren von Sprachwissenschaftler_innen und Feminist_innen. Das Problem am generischen Maskulinum ist, ist, dass es nicht generisch ist.
Frauen werden unsichtbar gemacht, wenn man sie durch "Bürger" einfach nur mitmeint. Im Kopf entsteht das Bild eines Mannes, nicht einer Frau. Dazu gibt es diverse Studien. "Man kann nicht nicht gendern", sagte @Mandelbroetchen mal so schön zur Tatsache, dass eben auch im generischen Maskulinum geschriebene Texte gendert sind.
"Ihr seid mitgemeint, das weiß doch jeder!", ist so eine typische Aussage von denen, die Angst haben, sich mit anderem Sprachgebrauch als dem angestammten zu beschäftigen. Stell dir mal vor, deine Schwiegereltern laden deine_n Partner_in zum Kaffee ein und du bist nur mitgemeint. Musst selber wissen, dass du angesprochen bist. Höflichkeit ist da das Stichwort.

Das Problem ist aus meiner Sicht auch, dass gerade Begriffe wie "Bürger" historische Sachverhalte transportieren. Das beste Beispiel ist hier die Französische Revolution und ihre Verkündung der Menschen- und Bürgerrechte. Unter "Bürger" verstand man schlicht nur Männer, weil nur Männer Bürgerrechte haben konnten - weshalb ja Olympe de Gouges die Rechte der Frau und Bürgerin schrieb. Wenn ich also heutzutage von Bürgern spreche, mache ich unsichtbar, dass Frauen heute zumindest formal die gleichen Rechte wie Männer haben.
Das gleiche gilt für "Studenten". Frauen dürfen sich erst seit Ende des 19. Jahrhunderts in deutschen Unis immatrikulieren - es ist also gerade politisch bedeutend, deutlich zu machen, dass wir heute glücklicherweise von "Studentinnen und Studenten" (oder auch gerne "Studierenden") sprechen können.

Gerne kommt das Argument, es sei mühsam oder optisch unansprechend, Texte geschlechtergerecht zu schreiben. Optisch unansprechend ist ein rein ästhetisches Argument - das kann man so oder so sehen. Ich finde es in jeglichem Wortsinne schön, wenn in Texten mehr als nur ein Geschlecht angesprochen wird (gerne auch mehr als nur zwei Geschlechter!).
Mühsam? Ja und! Ich sehe Sprache als machtvolles Instrument, mit dem ich auch politische Inhalte vermitteln kann/muss. Und Politik darf gerne ungewöhnlich, aufrüttelnd und neu sein. Gerade bei uns Pirat_innen ;-)

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich gerade schriftlich ganz schnell Gewöhnung einstellt. Und auch im mündlichen Sprachgebrauch macht es Spaß, sich auszuprobieren und kreative Lösungen zu finden, rein maskuline Formen zu umgehen. Dabei helfen z.B. solche und ähnliche Merkblätter.
Mündlich muss man manchmal zweimal nachdenken, bevor man etwas sagt. Das macht ja nichts - wenn man dafür gerechter formuliert und niemanden ausschließt. Es macht etwas mit dir, wenn du plötzlich direkt angesprochen wirst. Auf einmal kannst du auch nicht mehr anders als geschlechtergerecht formulieren. Besonders viel Spaß macht die Umstellung in der Gruppe, wenn man sich gegeseitig verbessern und helfen kann.

Das Video oben ist ein Vortrag von Anatol Stefanowitsch, der nicht nur von geschlechtergerechter Sprache, sondern z.B. auch von Sprache und Rassismus spricht. Ebenfalls empfehlen möchte ich seinen Blog - im Besonderen diesen Eintrag.

Montag, 24. September 2012

Gedanken zu #MMwird5

Ich kam gestern Abend zurück von meinem mehr oder weniger spontanen Guerilla- Ausflug nach Berlin zum Geburtstag der Mädchenmannschaft. Eigentlich wollte ich hier berichten von wahnsinnig netten Begegnungen und Treffen mit Internet-Menschen. Leider wird das Positive des Wochenendes ein bisschen überschattet vom Rassismus-Fail während der letzten Podiumsdiskussion.

Die Distel hat schon dazu gebloggt und ein paar andere Leute auch. Ich kann der ganzen Geschichte wenig hinzufügen, weil ich leider auch erst spät hinzukam. Nicole, Dani und ich waren zuerst beim Workshop über häusliche Gewalt und verpassten so den Anfang der Diskussion. Die Stimmung auf dem Podium war extrem angespannt und es war schon im Vorhinein klar, dass alles andere als Frieden herrschen würde.
Ich will zu den rassistischen Äußerungen gar nichts sagen - die waren rassistisch und damit Punkt. Da braucht man nichts diskutieren, das ging sowas von gar nicht!
Was vorgefallen ist, könnt ihr z.B. bei Distel nachlesen, andere Blogeinträge werden sicher in den nächsten Tagen hinzukommen.

Ich will hier eher noch was zur Orga und dem Drumherum des Tages allgemein und vor allem auch während der Diskussion schreiben.
Ein großer Kritikpunkt ist für mich ganz eindeutig die Moderation des Tages. Das began gleich damit, dass die offizielle Begrüßung stattfand, nachdem schon die ersten Workshops besucht werden konnten. Man war also ins kalte Wasser geschmissen.
Die Begrüßung an sich war dann etwas nichtssagend. Grußworte wurden vorgetragen und die Toiletten wurden erklärt. Es gab keine Infos zum Programm (jaja, kann man alles nachlesen, aber drei Sätze wären doch drin gewesen...) und vor allem fehlten mir ein paar Verhaltensregeln. Ist ja gut, dass auf dem Programm steht, wir sollen alle nett zueinander sein und "Krawall machen", wenn es zu Diskriminierung kommt. Das darf man aber gerne bei der Begrüßung nochmal laut sagen! Ich hätte mir da auch konkretere Angaben gewünscht, um deutlich zu machen, welches Klima auf der Veranstaltung erwünscht ist. (Mal davon abgesehen, dass vielleicht ein Awarnessteam eine tolle Idee gewesen wäre.)

Die Podiumsdiskussion, die dann so aus dem Ruder lief, war auffallend schlecht moderiert. Ich kam wie gesagt später hinzu und verstand erst gar nicht, dass es überhaupt eine Moderation gab. Alle Teilnehmerinnen* saßen vorne nebeneinander und keine verhielt sich als neutrale bzw. gesprächsleitende Moderatorin*. Die ganze Diskussion verlief strukturlos. Grade da durch die Auswahl der Gäste vorher bekannt war, dass es zu Konflikten kommen würde, war das ein Ding der Unmöglichkeit.
Btw. - warum wird eine der Slutwalk-Veranstalterinnen eingeladen, wenn die MM bisher eh meistens (zu recht!) negativ über die SW berichtet hat?
Dazu kamen zwei konträre Gesprächsteilnehmerinnen und eine Moderatorin, die kein bisschen neutral war und das Gespräch einfach laufen lies. Für mich entstand ganz schnell der Eindruck, dass die MM eine hitzige/emotionale Diskussion in Kauf genommen hat. Bei den ersten rassistischen Äußerungen zeigte die Moderatorin* keine Reaktion, sie griff nicht ein. Erst die für die Technik zuständige Kollegin* griff ein und brach dann die Diskussion ab. Für mich auch nicht der richtige Weg, aber zumindest eine Reaktion. Die Rassistinnen* des Raumes zu verweisen und so die Rechte als Gastgeberinnen* auszunutzen, hätte ich richtiger gefunden.
Wenn man sich nicht in der Lage sieht, ein Podiumsgespräch so zu leiten, dass niemand beleidigt wird bzw. einzugreifen, wenn es so weit kommt, dann muss man den Posten an eine andere abtreten. Sich darauf zu verlassen, dass eine Kollegin* was sagt, die Menschen auf dem Podium moderierend eingreifen oder das Publikum aufsteht und was sagt, geht gar nicht.
Im Nachhinein dann erst von Leser_innen darauf hingewiesen werden zu müssen, dass der Feedbackaufruf zur Veranstaltung bitte einen eigenen Blogpost verdient - da hat wohl jemand immer noch nichts gelernt.

Was bleibt, ist ein gefühl der Ohnmacht. Wie soll ich mich nun verhalten, was hätte ich besser machen können?
Es ist gruselig zu sehen, dass in Kreisen, die sich gegen Sexismus einsetzen, Rassismus stellenweise so wenig mitgedacht und beachtet wird. Meine Meinung ist, dass man sich kaum für das eine einsetzen und das andere missachten kann - das darf nicht sein.
(Und dann für mich persönlich immer noch die Frage: Wo stehe ich als Halb-Südländerin und damit laut Definition Frau mit Migrationshintergrund in dieser Debatte?)

Ansonsten:
In der Woche vor der Party unterhielt ich mich via Twitter mit Dani (die ja eine derjenigen war, mit denen ich nach Berlin fuhr), Franziska und Grrrlsmith und ich schlug vor, dass wir doch unsere Twitter-Avatare als Buttons tragen könnten. Eine Maschine dafür sei ja vor Ort. Ich fand es wahnsinnig schade, dass dann bei der Party nur die Veranstalterinnen Namensschilder trugen und nur drei von uns sich Buttons machten. Andere selbstgebastelte Namensschilder sah ich noch seltener.
Warum ich das hier erwähne: Die MM ist ein Onlineprojekt und viele von uns kennen sich eben tatsächlich nur online. Ich kenne das von ähnlichen Events, dass Namensschilder zum Basteln/Ausfüllen (und seien es eine Rolle Klebeband und ein Edding) bereitgestellt werden. Von vielen kenne ich das Gesicht nicht, aber eben den Nick oder grade noch so den Vornamen. Man spricht ja nicht gleich jede_n auf Verdacht an und Schilder würden da einiges erleichtern.
Was ich sagen will: Es ist nicht schlimm, dass ich die Idee für die Buttons selbst haben musste. Ich finde es aber blöd, dass an die Möglichkeit eines Namensschildes in irgendeiner Form nicht gedacht wurde. Die Stimmung ist anders, wenn man weiß, mit wem man es so zu tun hat.
Die Franziska hat in ihrem Workshop übrigens nicht nur eine Vorstellungsrunde gemacht, sondern auch gleich gefragt, wer mit welchem Pronomen angesprochen werden möchte. Großes Lob!

Weiterhin fand ich es sehr schade, dass kaum Raum für private kleine Treffen eingeplant war. Ich denke, auch den Organisatorinnen* war bewusst, dass viele das Event nutzen würden, um Internetbekanntschaften im RL treffen zu wollen und auch mal in kleinen Grüppchen nette Gespräche zu führen.
Im Flur vor den Räumlichkeiten waren Infotische aufgebaut, dort war es zu eng. Im Erdgeschoss wurde Essen ausgegeben und es gab Livemusik. Dort war es dementsprechend laut, alle wollten zuhören - nicht perfekt für einen Erstkontakt mit Leuten, die ich sonst nur aus dem Netz kenne.
Als Beispiel kann ich da mein Treffen mit Paula nennen. Sie erkannte mich auf dem Klo zufällig an meinem Button und wir trafen uns dann auf ein kurzes Gespräch im Flur. Platz zum Sitzen gab es nur auf einem Tisch, der gerade abgeräumt worden war. Sonst hätten wir blöd rumstehen müssen.

Dass der Ruheraum nur für Orgaleute und Künstlerinnen* reserviert war, war auch sehr schade. Klar lag das auch am beengten Raum des Veranstaltungsorts, aber diesen sollte man ja auch danach aussuchen. Ich jedenfalls fühle mich von vielen Menschen leicht gestresst und hätte mir gewünscht, auch eine Ecke zu haben, in der man sich etwas zurückziehen kann.
Verbesserungswürdig war auf jeden Fall auch die Aufteilung der Slots. Die Lesungen, Musikerinnen*auftritte, Workshops und Diskussionen liefen nicht einfach parallel (was ja üblich ist), sondern überschnitten sich.


Trotzdem war natürlich nicht alles schlecht. Der Zine-Workshop von Franziska war toll und ich mochte den Vortrag zur häuslichen Gewalt. Auch die Podiumsdiskussion, was sich denn in fünf Jahren bei der MM verändert hat, war interessant.
Besonders schön waren aber die Begegnungen mit netten Menschen - danke da an die Beteiligten!

EDIT: Die Dani hat auch gebloggt und ihre Gedanken sind ein bisschen strukturierter als meine.

Dienstag, 29. Mai 2012

Flirten ≠ Belästigung

Gerade erst habe ich ja zum Street Harassment gebloggt und möchte da noch was weiter einsteigen. Auf Twitter und auch hier in den Kommentaren kam die Frage auf, wie man denn flirten solle, ohne dass das als Belästigung eingestuft wird.
Das geht tatsächlich und es gibt dazu bereits einen sehr guten Beitrag zu lesen - wieder von High on Clichés.

Ich möchte nochmal genauer auf den zweiten Fall eingehen, den ich im letzten Post beschrieb:
- mir wurde quer über die Straße nachgerufen
- er stellte sich nicht vor, sondern quetschte nur mich aus
- er setzte sich ungefragt neben mich
- er ging erst nach mehrmaliger Aufforderung
- ich musste unfreundlich und deutlich und lauter werden
- er versuchte es auf mehreren Fremdsprachen, obwohl ich bereits "nein" gesagt habe
- er lungerte anscheinend grundlos weiter an verschiedenen Bahnsteigen rum - der war da, um Leute zu nerven
Ehrlich gesagt sehe ich da wenig Diskussionsspielraum - das ist für mich nicht flirten. Schon das Rufen über die Straße... Der hat mich ja nicht mal genau gesehen, welchen Grund soll er gehabt haben, mich gut gefunden zu haben? Alles danach geschah, obwohl ich wirklich deutlich gezeigt habe, dass ich nicht will. Selbst ein ungeschickter Flirter zieht dann Leine und überschreitet nicht weiter Grenzen. Ansonsten sei euch da noch der Begriff Definitionsmacht genannt - wenn ich mich belästigt fühle, ist es Belästigung.

Ich kann da auch nur wieder ein Beispiel aus meinem eigenen Erleben anführen - ein positives diesmal.
Vor einigen Wochen war ich mit ein paar Freundinnen und Freunden tanzen. Ich wurde von einem Mann angesprochen und denke: So oder so ähnlich kann es gehen!
Er kam zu mir rüber, aber wir waren in einem Raum voller Menschen und ich war umringt von 6(!) Personen, die eindeutig zu mir gehörten. Er schaute mich kurz an, bevor er zu mir kam. Ich wurde nicht von meinen Begleiter_innen isoliert und hatte jederzeit die Möglichkeit, einfach zu gehen. Er kam mir nicht näher nötig, um sich zu unterhalten.
Zudem waren wir in einem Club und nicht auf der Straße. Ich finde, jemanden auf der Straße anzusprechen, ohne vorher Blickkontakt zu haben und zu sehen, ob die andere Person reagiert, total daneben. So generell jetzt. Aber das heißt im Umkehrschluss eben auch nicht, dass ich abends weggehe, um irgendwen kennen zu lernen und angesprochen zu werden. Für mich war es an dem Tag, in der Stimmung und von dieser Person aber eben in Ordnung.
Er war sehr freundlich und sprach mich auf die Musik an. Um sich dann gleich danach vorzustellen - Höflichkeit gehört also dazu. Ich hab ihm geantwortet, meinen Namen gesagt und ihm auch die Hand gegeben. Das war ein gutes Zeichen, dass ich ihn nicht zum Teufel jage, denke ich.
Ich war ein bissche unsicher und vor allem auf dem Sprung nach hause. Er reagierte total cool und nett, drängte sich nicht auf, verabschiedete sich dann auch wieder freundlich.
Alles total okay, super nett (und ich fands total mutig).

Einmal hat mich wer in der Uni angesprochen. Ich ging durch den Flur, er ging neben mir und fragte aus heiterem Himmel, ob ich mit ihm Kaffee trinken will. Das fand ich nur so mittel-okay. Ich hab ihn vorher gar nicht gesehen, war in Gedanken, es war früh morgens und ich ein bisschen überrumpelt. Ich hab verneint und er musste sich wohl noch mal versichern, ob ich mir sicher bin: "Hast du einen Freund?" Ja, hatte ich zu dem Zeitpunkt, aber selbst ohne Freund hätte ich einfach nicht gewollt. Eigentlich sollte ich mein "nein" nicht begründen müssen.
Ich glaube aber, das war tatsächlich nur ein ungeübter Flirter (das kann ich ihm nachsehen, ich kann ja sowas auch nicht). Für solche Leute gibt es dann High on Clichés' Blogeintrag. Kann man sich mal durchlesen, kann man was bei lernen - auch als Frau ;-)
Flirten ist total okay, ich mag flirten - aber es gibt eben Sachen, die sind einfach nicht mehr okay. Ich finde auch, wenn man unsicher ist, kann man einfach mal fragen: "Nerve ich dich eigentlich, soll ich lieber gehen?" Ein bisschen Einfühlungsvermögen sollte man schon haben, denn wenn man es ernst meint, ist es ja eher ungünstig, wenn man die andere Person unter Druck setzt.
Und spätestens bei "nein!" ist nun mal Schluss.

Montag, 28. Mai 2012

Meine Erfahrungen mit Street Harassment

In der letzten Woche schrieb Helga schon in der Mädchenmannschaft was zum Street Harassment, Distel podcastete dazu und da ich diese Woche gleich zweimal Opfer wurde, wollte ich auch mal wieder was bloggen.
Street Harassment meint, dass Menschen auf der Straße von anderen Fremden belästigt werden. Dazu gehört (kurz gesagt) jede unangenehme und respektlose "Anmache", aber eben auch direkte sexuelle Belästigung. Die Seite stopstreetharassment.org dröselt den Begriff in folgende Beispiele auf: anzügliche Blicke, pfeifen, hupen, Kussgeräusche, nicht explizit als sexuell gewertete Kommentare, aber eben auch sexuell aufgeladene Kommentare, vulgäre Gesten, Stalking, öffentliche Selbstbefriedigung, sexuelle Berührungen, Körperverletzung und Mord.
Street Harassment kann Männer und Frauen treffen, aber Frauen begegnen diesem "Phänomen" wohl deutlich öfter, ich glaube, fast jede Frau kennt eine der oben beschriebenen Situationen. 
EDIT: Noch mehr dazu in diesem Blogeintrag von High on Clichés.

Mir sind diese Woche gleich zweimal unangenehme Situationen passiert. Einmal fuhr ich auf dem Fahrrad durch die Stadt und hört von zwei Jugendlichen dumme Kommentare über meine Oberweite, die ich hier nicht wiederholen möchte. Ich fuhr weiter und musste dann an einer Ampel halten. Die Jungs gingen wieder an mir vorbei und riefen "Warte mal, warte mal!" und der eine kam auf mich zu. Zum Glück konnte ich dann weiter fahren und musste mich nicht weiter mit denen abgeben. Es war mitten am Tag, die Straße war voller Leute und ich denke nicht, dass mir viel hätte passieren können - trotzdem wollte ich keine Konfrontation.

Heute dann fuhr ich mittags wieder mit dem Rad zum Bahnhof. Von der anderen Straßenseite rief mir ein junger Mann "Hallo!" nach. Ich ignorierte ihn, aber wurde aufmerksam. Ich schloß mein Rad an und musste dann an der Bushaltestelle warten. Mir war total klar, dass der jetzt zu mir rüber kommt, ich tippte quasi schon vorsorglich eine Nachricht auf Twitter...
Es kam wie es kommen musste. Der Typ kam rüber zu mir, setze sich - ließ aber zum Glück einen Platz zwischen uns frei. "Hallo, wie heißt du, wie geht es dir?", und ähnliches Blabla. 
Ich denke derzeit sehr viel an das, was ich im Selbstverteidigungskurs gelernt habe und bin wahnsinnig froh, dass ich den besucht habe. Ich hab viel über Opfer- und Täter-Haltung gelernt. Ich atmete also durch, sah dem Belästiger mit meinem "Blutbadblick" an (ein Freund von mir nennt das so, wenn ich ablehnend und böse gucke, er weiß warum ;-) ) und sagte einfach nur: "Ich will mich nicht unterhalten, lass mich in Ruhe, hau ab!" Er versuchte es dann noch mit "Sprichst du französisch, sprichst du englisch?", ich verneinte noch einmal und ignorierte ihn dann. Ich hatte Kopfhörer im Ohr, aber keine Musik an, damit ich weiterhin alles hören konnte. Er trollte sich dann recht bald, murmelte noch ein "Sorry" und war weg. Er hing weiter am Busbahnhof rum, aber hielt zwei Bahnsteige Abstand.
Die großartige Franziska reagierte via Twitter sehr schnell und schrieb mich an - danke dafür auch hier nochmal! Wenn ich Trost gebraucht hätte, hätte ich den gleich bekommen könnte. Ich hatte aber eigentlich nicht wirklich Angst gehabt, ich wurde ihn ja schnell los.

Es ist schon verrückt, dass mir das jetzt zweimal so kurz hintereinander passierte und ich habe deshab heute nochmal darüber nachgedacht, wie oft das bei mir schon vorkam. Mir wurde mal im Zug an den Hintern gefasst, Betrunkene haben mich beim Ausgehen belästigt. Und da war dieser ganz spezielle Biolehrer, der jede Chance nutze, öffentlich laut zu loben, was er alles an mir schön findet. Und ans Knie gefasst hat er mir auch.
Ich war bisher meistens immer völlig verdattert und habe selten reagiert. Ich bin weggegangen oder habe einfach nichts gesagt. Einige Male wurde mir tatsächlich erst später klar, was da passiert ist. Gegen meinen Lehrer traute ich mich nie was zu sagen. Zurück blieb aber dieses Gefühl, dass da jemand einfach so in meinen Bereich eingedrungen ist, mir zu nahe kam. Ich hatte selten in der Situation selbst Angst, aber man fühlt sich trotzdem einfach scheiße.

"Da solltest du aber nicht alleine entlangfahren!"
"Um diese Uhrzeit ist das viel zu gefährlich!"
"Kein Wunder bei diesem Outfit!"
Das sind so Sätze, die ich seit meiner Kindheit kenne und hasse. Warum sind gewisse Bereiche, gewisse Uhrzeiten und gewisse Klamotten für mich tabu? Im Zusammenhang mit Belästigung höre ich das total oft. Da wird einfach den Opfern die Schuld in die Schuhe geschoben. Man hätte ja einen anderen Weg nehmen oder sich was überziehen können. WTF?? Ich soll mich also einschränken lassen, statt dass mal was dafür getan wird, dass sowas nicht mehr passiert? Ich habe das Gefühl, dass es als vollkommen normal angesehen wird, wenn man so auf der Straße belästigt wird.
Meine Mutter hat mir als Kind schon oft gesagt, dass ich hier und dort aufpassen muss und was es bedeutet, sexuell belästigt zu werden. Sie wollte, dass ich weiß, was mir passiert, wenn mir was passiert und dass ich sowas dann auch meinen Eltern sage. Sie wollte, dass mir nichts passiert, dass ich mich richtig verhalte. An einem gewissen Punkte dachte ich als Kind, es ist völlig normal, dass man irgendwann mal belästigt wird. Ich habe förmlich gewartet, dass ich mal in so eine Situation komme, denn schließlich passiert das ja anscheinend überall und allen - dachte ich als Kind. Im Rückblick finde ich das furchtbar gruselig.

Ich bin generell ein sehr vorsichtiger Mensch. Ich bewege mich vorausschauend und aufmerksam, gehe Gefahr grundsätzlich aus dem Weg. Nicht leichtsinnig zu sein, ist ja an sich gut. Trotzdem habe ich das Gefühl, in meiner Freiheit beschnitten zu sein. Seit dem Selbstverteidigungskurs wirke ich wohl weniger als Opfer, aber aufmerksam bleibe ich. 

Das kann aber alles nicht die Lösung sein! Nicht ICH muss was an mir oder meinem Verhalten ändern, sondern die Belästigungen müssen aufhören!

(Dämliche Kommentare im Sinne von "Stell dich nicht an!" "Sieh es doch als Kompliment!" und "Du übertreibst mal wieder!" werde ich löschen. Nur dass ihr das wisst.)

Donnerstag, 8. März 2012

Busty Girl Problems

Diese Woche bin ich via Twitter auf einen Blog gestoßen, auf dem es um Frauen mit großer Oberweite geht. Mir fiel es wie Schuppen aus den Haaren: Warum bewege ich mich seit Jahren im Netz und in der Blogwelt und habe nie geschaut, ob es zu diesem Thema was gibt?! Es gibt nämlich total viel - Blogs, Tumblr und sogar super niedliche Comics.
Die Busty Girl Comics sagen mir total zu. Sie sind schön gezeichnet und stellen die Probleme dar, die man als busty Frau eben schon mal hat. Meistens lusig dargestellt und für mich persönlich mit totalem Wiedererkennungswert. Was ich auch klasse finde, ist dass total verschiedene Frauen und Mädchen dargestellt werden: Schlanke, dickere, people of colour, weiße, sommersprossige, Designerinnen und Hausfrauen und was man sich sonst noch so vorstellen kann. Das sieht man so selten mal!

 Der Blog, den ich als erstes entdeckt habe und der mich am meisten begeisterte, ist drüber & drunter. Andere stellen hauptsächlich tolle Onlineshops vor (*sabber*), dieser hier enthält auch kritische Texte und viele persönliche Erfahrungen.
Wiedergefunden habe ich mich besonders gut im Text über Buchstabenphobie. In meiner Jugend stellte sich ziemlich schnell raus, dass mein Busen nicht so schnell wieder aufhört zu wachsen. BHs mussten her und damit begann das Problem. Die üblichen Geschäfte verkaufen meistens bis C-Körbchen, wenn man Glück hat, ist mal ein D dabei.
Bei BHs werden meiner Meinung nach die Größen genauso gewürfelt wie bei anderen Klamotten. Bei Tshirts habe ich zwischen S und XL alles im Schrank - jenachdem, wo ich sie gekauft habe. Mein derzeitiges Lieblingsfeindbild sind Oberteile mit Abnähern unter der Brust. Die Shirts werden breiter, aber selten mal in der Länge mehr. Das Schlimmste ist aber, dass der Abstand zwischen Unterbrustabnäher und Halsausschnitt nicht größer wird. Die Designer_innen scheinen davon auszugehen, dass Frauen breiter werden, aber nicht, dass auch der Busen mehr Platz braucht. Auch diese furchtbar kurz geschnittenen Sachen - die Brust braucht Stoff, das verlagert sich alles nach oben, ergo sind die meisten Klamotten unten zu kurz.
BHs kaufe ich seit Jahren im Wäschegeschäft und gebe zwischen 50 € und 80 € dafür aus - ja, für einen! Demzufolge habe ich keine große Auswahl im Kleiderschrank und muss immer erstmal sparen, bevor ich einen neuen anschaffen kann. Nebenher erwähnt bekommt man hier "in der Provinz" natürlich selten mal ein flottes Model in solchen Läden. Es geht, aber es bedeutet suchen. Und man ist halt nur von älteren Damen umgeben.
Warum, habe ich mich schon mit 15 gefragt. Bin ich so unnormal gebaut? Was ist falsch an mir? Wo kaufen denn die anderen busty Mädels ein? Tja. Die meisten Frauen in Deutschland tragen zu kleine BHs. Weil D ist ja riiiiiesig, sowas hab ich nicht. Ich passe in C. Wenn H&M keine größeren Größen verkauft, dann kann es das ja auch nur bei Pornostars geben. Das scheint tatsächlich die Denke vieler Frauen zu sein (auch bei Schuhen zu beobachten: "richtige" Frauen tragen nicht mehr als 39).
Das Problem ist also nicht meine "exotische Größe", sondern dass die Größe exotisch gemacht wird. Frauen, die ausgestattet sind wie ich, fragen trotzdem keine großen Größen nach und deshalb halten die dann auch nicht Einzug in "normale" Geschäfte.

Das ist wie mit der Cellulite - weil keine von uns zugibt, sie zu haben, hat jede von uns das Gefühl, sie sei die Einzige.

Dienstag, 6. März 2012

Gender-Lego

Ich war gestern zu Besuch bei meiner Cousine und ihrem 4jährigen Sohn. Ich hab ja keine Kinder, also ist er immer mein "Studienobjekt", wenn es um Kindererziehung und Gender usw. geht.
Wir saßen also gestern in seinem Zimmer und haben mit Lego gebaut. Hauptsächlich eigentlich meine Cousine und ich - er hatte keine Lust. Ich muss es zugeben, ich spiele immer total gerne mit seinen Playmobil- oder Lego-Sachen. Wir hatten nie so viel und so viel verschiedenes Zeugs als Kinder, ich bin total begeistert!
Gestern erinnerte ich mich beim Spielen natürlich als allererstes an die Lego-Gender-Videos von Feminist Frequency, die ich vor Wochen gesehen habe und die im Netz ja große Wellen geschlagen haben. Ich hab mich sehr aufgeregt über dieses neue "Mädchenlego". Falls ihr die Videos noch nicht kennen solltet:




Mein Großcousin hat das ganz klassische Lego, mit dem auch schon sein Vater und die Tante gespielt haben.
Ich hab mir also gedacht, ich tu was für seine Genderbildung und hab erstmal alle Personen aus der Kiste gefischt und dann wild kombiniert. Die Figur mit geschminktem Mund bekam rote Haare aufgesetzt und einen Businessanzug an und den rosa Pferdepulli hab ich einem bärtigen Gesicht zugeordnet.
Da es zwei Robin Hoods gab, hab ich bei der einen einen langhaarigen Frauen*-Kopf draufgesetzt. Robin Hood wird jetzt von seiner Freundin auf dem Motorrad durch die Gegend gefahren. Leider kann man bei Lego ja immer nur entweder Frisur oder Hut aufsetzen. Langhaarige Rennfahrer_innen gehen also nicht - zumindest nicht, wenn man den pädagogisch wertvollen Helm nicht weglassen mag ;-) Und die Robina Hood kann deshalb leider nicht dieses chice Mützchen tragen.
Wenn der Kleine dann beim nächsten Mal auch mitspielt, bau ich ihm erstmal ne schöne Villa für die beiden verliebten Briefträger *gg*

Sonntag, 5. Februar 2012

Radikal, sexy, aktuell! Studentische Feminismus-Konferenz in Köln

Gestern haben einige Student_innen der Uni Köln eine Konferenz zu Feminismus in historischer Perspektive veranstaltet. Ich habe zufällig über eine ähnliche Veranstaltung auf Facebook hiervon erfahren. Die Veranstaltung fand im Rautenstrauch-Joest-Museum statt und war ziemlich gut besucht. Besonders ab nachmittags war richtig was los. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, die Veranstalter_innen hätten bewusst Studis von anderen Unis eingeladen. Ich denke, die Frauenreferate hätten die Einladung dann gerne an uns weiter gegeben. Aber wie auch immer...

Die Konferenz ging aus einem Seminar der Uni hervor und war komplett studentisch organisiert. Großen Respekt dafür, es lief wirklich gut!
Der sehr sehr lange Tag war in drei Blöcke gegliedert. Pro Block hat eine Studentin oder ein Student einen Vortrag gehalten, der dann von einer Expertin kommentiert wurde. Als Expertinnen waren Irene Franken, Ingrid Strobl und Elahe Haschemi eingeladen.
Irene Franken wurde leider krank, aber der sehr smarte Moderator des ersten Blockes besorgte ihren Kommentar per Email und trug die 8 Seiten dann für uns vor. Super gelöst, wie ich fand.
Die Themen der Vorträge waren sehr abwechslungsreich und die Vortragenden waren allesamt sicher und selbstbewusst, das war wirklich klasse. Die Themen reichten von Flapper-Girls, Feminismus im Nationalsozialismus und der Race-Gender-Problematik bis hin zu Riot-Grrrls (Yeah! Der Vortragende sah aus wie Rod von den Ärzten und war richtig cool!), Single-Girls, die zweite Welle der Frauenbewegung und feministische Theorien zum Porno. Der Referenten des Pornothemas hat total smarte Szenenbeschreibungen von sich gegeben und das auf einer richtig guten Ebene gehalten. Aber das gilt eh für alle Sprecher_innen. Ihr seht, ich war vom Rahmen und der Art und Weise der Veranstaltung begeistert.

Inhaltlich fand ich das Nationalsozialismus-Thema nicht soooo gut. Irgendwie fehlte mir da ein greifbarer Faden, ich kann das gar nicht genau sagen. Das Beispiel war vielleicht auch zu speziell, ich weiß es nicht.
Ingrid Strobl ist ja bekanntermaßen selbst in den 70ern aktiv gewesen und hielt auch einen sehr guten Vortrag zu dem, was sie selbst erlebt hatte. Frauenbewegung aus erster Hand war echt spannend. Trotzdem kam dann in der Diskussion doch wieder die "besserwisserische" Altfeministin durch. Unsere Generation diskutiert ja zu viel und blabla. Ein bisschen arrogant kam sie rüber, statt mal zu erkennen, wie Feminismus heute funktioniert. Feminismus heute hat ja auch andere Ziele als noch in den 70ern, also muss er auch andere Mittel finden - und die Veranstaltung gestern war ein Anfang, unseren Weg zu finden!

Für mich persönlich war es toll zu sehen, dass "wir" so viele sind. Viele Leute hatten Interesse an der Veranstaltung, besonders eben jüngere Leute. Die Student_innen hatten richrig was drauf und warfen geradezu mit Wissen um sich (ich muss noch viel mehr lesen!). Ich hoffe, es gibt die Vorträge demnächst online unter dem Link oben. Alle Thesen hier zusammen zu fassen, das ist unmöglich.
Es wurden auch Videos gedreht, vielleicht kann man die ja dann demnächst auch sehen.
Elahe Haschemi
Elahe Haschemi
Elahe Haschemi