Dienstag, 29. Mai 2012

Flirten ≠ Belästigung

Gerade erst habe ich ja zum Street Harassment gebloggt und möchte da noch was weiter einsteigen. Auf Twitter und auch hier in den Kommentaren kam die Frage auf, wie man denn flirten solle, ohne dass das als Belästigung eingestuft wird.
Das geht tatsächlich und es gibt dazu bereits einen sehr guten Beitrag zu lesen - wieder von High on Clichés.

Ich möchte nochmal genauer auf den zweiten Fall eingehen, den ich im letzten Post beschrieb:
- mir wurde quer über die Straße nachgerufen
- er stellte sich nicht vor, sondern quetschte nur mich aus
- er setzte sich ungefragt neben mich
- er ging erst nach mehrmaliger Aufforderung
- ich musste unfreundlich und deutlich und lauter werden
- er versuchte es auf mehreren Fremdsprachen, obwohl ich bereits "nein" gesagt habe
- er lungerte anscheinend grundlos weiter an verschiedenen Bahnsteigen rum - der war da, um Leute zu nerven
Ehrlich gesagt sehe ich da wenig Diskussionsspielraum - das ist für mich nicht flirten. Schon das Rufen über die Straße... Der hat mich ja nicht mal genau gesehen, welchen Grund soll er gehabt haben, mich gut gefunden zu haben? Alles danach geschah, obwohl ich wirklich deutlich gezeigt habe, dass ich nicht will. Selbst ein ungeschickter Flirter zieht dann Leine und überschreitet nicht weiter Grenzen. Ansonsten sei euch da noch der Begriff Definitionsmacht genannt - wenn ich mich belästigt fühle, ist es Belästigung.

Ich kann da auch nur wieder ein Beispiel aus meinem eigenen Erleben anführen - ein positives diesmal.
Vor einigen Wochen war ich mit ein paar Freundinnen und Freunden tanzen. Ich wurde von einem Mann angesprochen und denke: So oder so ähnlich kann es gehen!
Er kam zu mir rüber, aber wir waren in einem Raum voller Menschen und ich war umringt von 6(!) Personen, die eindeutig zu mir gehörten. Er schaute mich kurz an, bevor er zu mir kam. Ich wurde nicht von meinen Begleiter_innen isoliert und hatte jederzeit die Möglichkeit, einfach zu gehen. Er kam mir nicht näher nötig, um sich zu unterhalten.
Zudem waren wir in einem Club und nicht auf der Straße. Ich finde, jemanden auf der Straße anzusprechen, ohne vorher Blickkontakt zu haben und zu sehen, ob die andere Person reagiert, total daneben. So generell jetzt. Aber das heißt im Umkehrschluss eben auch nicht, dass ich abends weggehe, um irgendwen kennen zu lernen und angesprochen zu werden. Für mich war es an dem Tag, in der Stimmung und von dieser Person aber eben in Ordnung.
Er war sehr freundlich und sprach mich auf die Musik an. Um sich dann gleich danach vorzustellen - Höflichkeit gehört also dazu. Ich hab ihm geantwortet, meinen Namen gesagt und ihm auch die Hand gegeben. Das war ein gutes Zeichen, dass ich ihn nicht zum Teufel jage, denke ich.
Ich war ein bissche unsicher und vor allem auf dem Sprung nach hause. Er reagierte total cool und nett, drängte sich nicht auf, verabschiedete sich dann auch wieder freundlich.
Alles total okay, super nett (und ich fands total mutig).

Einmal hat mich wer in der Uni angesprochen. Ich ging durch den Flur, er ging neben mir und fragte aus heiterem Himmel, ob ich mit ihm Kaffee trinken will. Das fand ich nur so mittel-okay. Ich hab ihn vorher gar nicht gesehen, war in Gedanken, es war früh morgens und ich ein bisschen überrumpelt. Ich hab verneint und er musste sich wohl noch mal versichern, ob ich mir sicher bin: "Hast du einen Freund?" Ja, hatte ich zu dem Zeitpunkt, aber selbst ohne Freund hätte ich einfach nicht gewollt. Eigentlich sollte ich mein "nein" nicht begründen müssen.
Ich glaube aber, das war tatsächlich nur ein ungeübter Flirter (das kann ich ihm nachsehen, ich kann ja sowas auch nicht). Für solche Leute gibt es dann High on Clichés' Blogeintrag. Kann man sich mal durchlesen, kann man was bei lernen - auch als Frau ;-)
Flirten ist total okay, ich mag flirten - aber es gibt eben Sachen, die sind einfach nicht mehr okay. Ich finde auch, wenn man unsicher ist, kann man einfach mal fragen: "Nerve ich dich eigentlich, soll ich lieber gehen?" Ein bisschen Einfühlungsvermögen sollte man schon haben, denn wenn man es ernst meint, ist es ja eher ungünstig, wenn man die andere Person unter Druck setzt.
Und spätestens bei "nein!" ist nun mal Schluss.

Kommentare:

  1. Als ich das letzte mal angeflirtet wurde, habe ich das gar nicht so aufgefasst. Sonst wäre ich warscheinlich ablehnender gewesen, denn ich war und bin in einer Beziehung.
    Er war ein Komilitone, der wie ich zu einer Vorlesung lief, die eigentlich ausfiehl, und nach ein paar netten Worten (ich hatte ihn angesprochen, weil er auf den Hörsahl zulief, indem eine Prüfung geschrieben wurde) hat er mich gefragt, ob wir was trinken gehen wollen.
    Und in den ganzen drei Stunden kein Berühren, keine unnötige Nähe, kein gerede üder sein Sexualleben oder sonst was von dem Mist. Er hat meine Cola gezahlt, ich bin in die Bahn Heim gestiegen, Ende. Wir sind inzwischen sehr gute Freunde, aber wäre ich single gewesen, hätte sich daraus vielleicht was entwickeln können.

    Vielleicht hilft die Geschichte ja irgendeinem unsicheren Flirter.

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    1. Lieben Dank für deine beiden Kommentare (also der hier und im anderen Artikel).
      Ich hätte das jetzt auch nicht als Flirt verstanden, sondern als nette Einladung :-) Man kann ja auch befreundet sein, ohne sich "was davon zu versprechen". Aber ja - so kann man definitiv auch einen Flirt beginnen, das ist super!!

      Herzliche Grüße,
      FP

      (die übrigens schon viel viel länger eine Faserpiratin ist, bevor sie aktuell eine Politpiratin wurde *gg*)

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